Was ist die EnEV? – Interview mit Thomas Lichtenheld

Thomas Lichtenheld ist bei CAALA für das Thema Energiebedarfsrechnung und EnEV zuständig. Gleichzeitig arbeitet er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Bauhaus Universität Weimar am Lehrstuhl für Bauphysik.

Was ist die EnEV?

EnEV ist die Abkürzung für die Energieeinsparverordnung. Sie dient der Einsparung von Energie im Gebäudebereich. Mit ihr sollen die energiepolitischen Ziele der Bundesregierung und der Europäischen Union erreicht und umgesetzt werden, indem der Energiebedarf eines Heiz- oder andersartig klimatisierten Gebäudes auf ein bestimmtes Maß begrenzt wird.

Ist das verpflichtend?

Die EnEV ist für zahlreiche Bauvorhaben verpflichtend. Im Neubaubereich ist sie für das Grundgebäude anzuwenden und ein Energieausweis auszustellen. Im Bestandsgebäudebereich hängt es vom Umfang der Maßnahme ab, ob bei Sanierung oder Erweiterung des Gebäudes die EnEV einzuhalten ist oder nicht. Verpflichtend ist sie bei Vermietung und Verkauf von Immobilien, wo ein Energieausweis dem Mieter oder Käufer vorgelegt werden muss.

Wer bietet EnEV-Berechnungen an?

Energieberater führen in der Regel EnEV-Berechnungen durch. Meist handelt es sich dabei um Architekten, Bauingenieure oder Gebäudetechniker. Zum Teil werden sie auch von Handwerkern angeboten. Hier muss unterschieden werden zwischen Wohngebäuden und Nichtwohngebäuden. Nach aktueller EnEV ist für Nichtwohngebäude die Ausstellung eines Nachweises Personen mit Hochschulabschluss vorbehalten. Dass Handwerker sie in dem Bereich nicht anbieten dürfen wird sich jedoch mit der neuen EnEV, die 2017 in einem Gebäudeenergiegesetz mit anderen Verordnungen zusammengeführt werden soll, ändern.

Wie hängt die KfW-55 mit der EnEV zusammen?

Die KfW-55 ist ein energetischer Standard der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Er ist an die EnEV gekoppelt: Ein KfW-55 Haus darf höchstens auf 55 Prozent des Primärenergiebedarfs eines EnEV-Gebäudes kommen. Es gibt für ein KfW-55 Haus primärenergetische Anforderungen und Anforderungen an die Gebäudehülle, die definieren, wie sehr es besser als ein EF-Haus sein muss.

Kann ein Bauherr, der so schnell wie möglich wissen möchte, ob er einen KfW-55 Kredit erhalten kann, sich das schon im frühen Entwurf ausrechnen?

Im frühen Entwurf ist es schwierig abzuschätzen ob KfW-55 erreicht werden kann, solange Kubatur, Gebäudetechnik und Baustoffe, die Verwendung finden sollen, unsicher sind. Ob es zum Beispiel vom Dämmaufwand her reichen könnte lässt sich nur grob prognostizieren. Daher sind nur wenige Bauherren in der frühen Planungsphase in der Lage, eine energetische Relation durchzuführen. Sie findet meist erst in der Leistungsphase 4 der Honorarordnung für Architekten (HOAI), der Genehmigungsplanung, statt.

Welche Tools kann ich als Architekt dafür nutzen?

Es gibt ungefähr 10 Anbieter, die Energieberatungssoftware anbieten. Sie sind alle geeignet für Wohn- und Nichtwohngebäude. Diese Standard-Tools erlauben, KfW-Häuser zu planen und umzusetzen.