Wie mit PLCA die Lebenszyklusanalyse anwendbar wird – Interview mit Dr. Alexander Hollberg

Dr. Alexander Hollberg ist Mitgründer von CAALA und zuständig für Forschung und Entwicklung. Gleichzeitig forscht er an der Bauhaus Universität Weimar über Ökobilanzierung.

Was ist PLCA?

LCA steht für Life Cycle Assessment, und heißt auf deutsch Lebenszyklusanalyse oder Ökobilanzierung. Das „P“ bedeutet parametrisch: Alle wichtigen Aspekte in der Methode sind miteinander verknüpft.

Was ist das Besondere daran?

Die Parametrik macht die komplexe Methode der Lebenszyklusanalyse zum ersten Mal anwendbar im architektonischen Entwurfsprozess. Damit wird Zeit gespart, denn ein Architekt oder Gebäudemanager muss nicht mehr zwei bis drei Wochen warten, bis ihm die von einem Experten erstellten Ergebnisse der Lebenszyklusanalyse vorliegen. Zeit, in der vielleicht Änderungswünsche vom Bauherren eingehen und neue Entwurfsvarianten generiert werden müssen. Ein PLCA-Tool macht die Lebenszyklusanalyse direkt anwendbar, weil es in Echtzeit Ergebnisse präsentiert.

Ich spare also Zeit?

Ja. Anderenfalls müsste ich, falls das nicht ein Berater, Consultant oder Experte für mich macht, lange Excel-Tabellen ausfüllen und die Massenermittlungen selbst durchführen. Mit PLCA-Software habe ich jetzt die Möglichkeit, diese Aufgaben an den Computer abzugeben, der dann die optimale Lösung errechnet.

Aber der Computer kann doch nicht das Design vorgeben?

Das stimmt natürlich. Deshalb gibt es kleine Aufgaben, die ich abgeben kann, wie zum Beispiel die optimale Außenwanddämmung oder die Ausrichtung der Photovoltaikanlage. Anschließend sehe ich, welche Auswirkungen das auf gesamte Gebäude hat.

Was mache ich mit den Ergebnissen?

Ökonomisch und ökologisch quantifizierte Ergebnisse helfen den Bauherren bei der Entscheidung. Architekten und Gebäudemanager können Varianten vergleichen: Wieviel CO2 sie einsparen, was sie kosten. Dadurch, dass sie erstmals die Möglichkeit haben, bereits im Entwurfsprozess Ergebnisse zu sehen, können sie sichergehen, dass ihr Entwurf ökologisch ist und Richtlinien genügen wird. Zum Beispiel den Anforderungen der Energieeinsparverordnung (ENEV) und der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Oder, wenn das Gebäude zertifiziert werden soll, Kriterien der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen – DGNB e.V.  oder des „Bewertungssystems Nachhaltiger Kleinwohnungsbau (BNK)“ (für Ein- und Zweifamilienhäuser und Mehrfamilienhäuser mit bis zu fünf Wohneinheiten) des Bundesumweltministeriums.

 

Das Interview wurde geführt von Stefan Drescher und Sebastian Dominguez