COP 23: Klimaschutz geht nicht ohne den Bausektor

Der Bausektor ist weltweit für ein Drittel der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Dies ist auch ein Thema auf der aktuell in Bonn stattfindenden UN-Klimakonferenz COP 23. Die Rolle der Architekten und die Bedeutung der grauen Energie wird aktuell noch stark unterschätzt. Wir hoffen die Diskussionen in Bonn bringen hier Fortschritte.

Zurzeit tagen Delegierte aus 195 Staaten in Bonn bei der UN Klimakonferenz. Vor zwei Jahren beschlossen sie in Paris auf dem COP 21 eine «Begrenzung des Anstiegs der globalen Durchschnittstemperatur auf deutlich unter 2 °C über dem vorindustriellen Niveau» [1]. Um dieses 2 Grad-Ziel zu erreichen, gibt es noch viel zu tun.

Der Bausektor ist weltweit für ein Drittel der Treibhausgasemissionen verantwortlich [2]. Zum Vergleich: der gesamte Flugverkehr macht nur ca. 2-3% aus [3]. Alleine die Zementherstellung ist bereits für ca. 10% der Emissionen verantwortlich [4]. Daher lässt sich eine gewisse Verantwortung, aber auch ein großes Einsparpotential ableiten. Gerade der Bausektor bietet hier große Chancen, was auch wissenschaftlich bestätigt wurde. In einer Studie wurde vom IPCC bereits 2007 [5] dem Bausektor das größte Einsparungspotential von allen Sektoren ausgewiesen. Außerdem wurde aufgezeigt, dass sich die Einsparung deutlich wirtschaftlicher umsetzen lassen, im Vergleich zu anderen Sektoren, siehe Abbildung 1.

Abbildung 1: Einsparungspotential verschiedener Sektoren mit Kosten in US$/t CO2-Äquivalent [6]

Die durch den Gebäudebetrieb verursachten Treibhausgasemissionen sind enorm und stiegen die letzten Jahre sogar noch an, siehe Abbildung 2. Um die Treibhausgasemissionen zu reduzieren, führten viele Staaten Richtlinien, wie die EnEV ein, die im Laufe der Jahre immer weiter verschärft wurden. Schaut man jedoch auf die absoluten Zahlen in Abbildung 2, macht der Energiebedarf im Betrieb ca. 19% der weltweiten Treibhausgasemissionen [7] aus. Wo sind die fehlenden 14%, um auf die 33% des Bausektors zu kommen? Diese sind in den Baumaterialien «eingebunden», das heißt, sie werden bei der Herstellung und Entsorgung der Materialen frei.

Hinzu kommt, das bei energieeffizienten Gebäuden das Limit für Einsparung im Gebäudebetrieb erreicht wurde [8]. Das heißt, eine weitere Einsparung von Treibhausgasemissionen, ist nur durch die Berücksichtigung der eingebundenen Treibhausgasemissionen, bzw. eingebundene Energie (auch graue Energie genannt) möglich.

Abbildung 2: Emissionen von Gebäude aus Energiebedarf in Form von Elektrizität und Wärme [9]

Darüber hinaus haben Gebäude eine wichtige Bedeutung durch den sogenannten Lock-in-Effekt. Ein Gebäude, das heute gebaut wird, steht die nächsten 50 Jahre und wird in diesem Zeitraum wahrscheinlich kaum saniert. Auch bei einer Sanierung, die heute durchgeführt wird, ist davon auszugehen, dass die nächsten 20-30 Jahre keine Änderungen erfolgen werden. Das bedeutet, heute getroffene Entscheidungen sind «locked-in» für die nächsten Jahrzehnte. Schauen wir auf das eingangs erwähnte 2 Grad Ziel, so zeigen Studien, dass es umso wichtiger ist, jetzt sofort Treibhausgasemissionen zu sparen. Jede heute verpasste Chance kann nicht mehr eingeholt werden. Abbildung 3 zeigt wie radikal die nötigen Reduktionsmaßnahmen werden müssen, wenn die nötigen Maßnahmen weiterhin in die Zukunft verschoben werden. Neben der immer drastischer werdenden Reduktion der Emissionen, muss darüber hinaus der Zeitpunkt, ab dem unsere weltweiten Emissionen negativ werden, immer früher herbeigeführt werden.

Abbildung 3: Exemplarische Emissionspfade mit einem Gesamtausstoß von jeweils 600 Gt CO2, aber unterschiedlichen Jahren, in denen der Wendepunkt erreicht wird. Gestrichelt: ein Beispiel mit 800 Gt CO2-Ausstoß [10]

Fazit: Ohne Wende in der Gebäudeplanung kann der Kampf gegen den Klimawandel nicht gewonnen werden!

Mit CAALA unterstützen wir Architekten und Planer schon heute ganzheitlich, über den gesamten Lebenszyklus Treibhausgasemissionen zu vermeiden. Wir sind gespannt auf die Ergebnisse aus Bonn und begrüßen, dass Teilnehmer, wie die DGNB [11] baurelevante Themen einbringt und den Lebenszyklusansatz vertritt.

 

[1] http://unfccc.int/resource/docs/2015/cop21/eng/l09r01.pdf

[2] UNEP, 2009: United Nations Environment Programme – Sustainable Buildings & Climate Initiative, Buildings and Climate Change – Summary for Decision-Makers

[3] http://www.bmub.bund.de/fileadmin/Daten_BMU/Download_PDF/Verkehr/flugverkehr_klima.pdf

[4] PBL Netherlands Environmental Assessment Agency The Hague, 2014, Trends in global CO2 emissions: 2014 Report, http://www.pbl.nl/sites/default/files/cms/publicaties/PBL_2014_Trends_in_global_CO2_emisions
_2014_1490_0.pdf

[5] IPCC, 2007a: Climate Change 2007: Synthesis Report. Contribution of Working Groups I, II and III to the Fourth Assessment Report of the Intergov­ernmental Panel on Climate, Geneva, Switzerland, 104 pp.

[6] IPCC, 2007a: Climate Change 2007: Synthesis Report. Contribution of Working Groups I, II and III to the Fourth Assessment Report of the Intergov­ernmental Panel on Climate, Geneva, Switzerland, 104 pp.

[7] Die weltweiten Treibhausgasemissionen lagen 2012 bei 53 Gt CO2-Äquivalent (https://data.worldbank.org/indicator/EN.ATM.GHGT.KT.CE)

[8] A. Passer, H. Kreiner, P. Maydl, Assessment of the environmental performance of buildings: A critical evaluation of the influence of technical building equipment on residential buildings, Int. J. Life Cycle Assess. 17 (2012) 1116–1130. doi:10.1007/s11367-012-0435-6.

[9] IEA (2012a). CO2 Emissions from Fuel Combustion. Beyond 2020 Online Database. International Energy Agency, Paris, 138 pp. Available at: http: / / data.iea.org.

[10] Grafik: Prof. Stefan Rahmstorf, Creative Commons BY-SA 4.0.

[11] http://www.dgnb.de/de/veranstaltungen/cop23/

 

 

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