Warum die einseitige Betrachtung der Betriebsenergie von Gebäuden eine Farce ist

Die meisten Architekten und Planer sind dem Thema “graue Energie” sicherlich schon begegnet, ohne dies bewusst wahrgenommen zu haben. Vor wenigen Jahren entwickelten wir beispielsweise ein Projekt in einem Hinterhof von Berlin, bei dem uns in der Ausführungsphase eine Nachbesserung von der prüfenden Energieberaterin zur Einhaltung der EnEV nahegelegt wurde.

Dabei ging es um Verschattungselemente, welche vor die, nach Süden ausgerichteten, Fenster der Büroräume angebracht werden sollten. Dies klang erst einmal nicht abwegig, den die solaren Gewinne über Südfenster sind häufig ein Faktor die zur Überhitzung führen können.

 

Bei einer genaueren Betrachtung vor Ort, stellten wir allerdings fest, dass es zu keinem Zeitpunkt direkte Sonneneinstrahlung über die Südfenster geben konnte, da das Gebäude an der Stelle rings herum von umliegenden Gebäuden und Bäumen ganzjährig verschattet wurden. Dies konnten wir sogar über ein Volumenmodell mit Schattenanalyse in SketchUp nachweisen.

Als wir die Energieberaterin darauf hinwiesen, wurde uns mitgeteilt, dass die Software die Verschattung der umliegenden Gebäude leider nicht berücksichtigen konnte und die Verschattungselemente insofern unumgänglich sind, um die EnEV mit der verwendeten Software einzuhalten.

Hier stellten wir uns als Team mal wieder die Frage, ob den nun die Beschränktheit einer Software der Maßstab seien kann, der zu einer unnötigen Maßnahme führt. Immerhin war es eindeutig, dass die Herstellung der Verschattungselemente deutlich mehr Energie verbrauchen würde, als sie jemals einsparen konnten, da sie eben keinerlei echten Nutzen hatte. Das heißt der Anteil der grauen Energie in diesem Bauteil war unverhältnismäßig hoch im Vergleich zur Ersparnis der Betriebsenergie.

Letztendlichen konnten wir uns bei dem Objekt auf eine sinnvolle Lösung einigen, da es allen Beteiligten daran lag eine nachhaltige Lösung zu finden. Allerdings ist die Sachlage nicht immer so eindeutig wie in diesem Fall. Welcher Planer hat schon im Blick, ob sich das Dämmmaterial eines Gebäudes über seine Lebenszeit energetische amortisiert oder nicht? Und dann besteht das Gebäude ja durchaus noch aus mehr Bauteilen als nur den Verschattungselementen und ein bisschen Dämmstoff.

Bei diesem Projekt wurde mir allerdings klar, dass die einseitige Betrachtung der Betriebsenergie ohne die Berücksichtigung der grauen Energie eine Farce ist. Wenn ein Bauteil, welches zur Energieeinsparung eingesetzt wird, über seine Lebenszeit weniger Energie einspart, als bei dessen Herstellung, Transport und Entsorgung verbraucht wird, dann erfüllt das Bauteil nicht nur nicht seinen Zweck, es verschlimmert sogar noch die Energiekrise in der die Welt im Moment steckt.

Dabei kommt mir immer wieder das Beispiel eines Investors in den Sinn, der die ursprüngliche Investition nicht betrachtet und den Erfolg seines Investments nur an den jährlichen Einnahmen festmacht. D.h. der Investor spielt das Geld, welches er ursprünglich investiert hat gegebenenfalls nie wieder ein. Es gibt wenige Investoren die sich auf so etwas einlassen würden, allerdings scheinen wir es bei der Energiebilanz unserer Gebäude unproblematisch zu sehen.

Genau in diesem Punkt könnte intelligente Software dem Planer in Zukunft helfen. So kann man beispielsweise mit der CAALA Software den gesamten Energieverbrauch über einen Lebenszeitraum eines Gebäudes in Echtzeit berechnen. Dadurch erkennt der Planer direkt, ob ein eingesetztes Bauteil den ganzheitlichen Energieverbrauch senkt oder steigert. Wenn ein Bauteil beispielsweise nur die Betriebsenergie senkt, aber den gesamten Energieverbrauch inklusive grauer Energie erhöht, kann der Planer nach alternativen Bauteilen suchen.

Auch wenn die Betrachtung der grauen Energie im Moment noch nicht gesetzlich vorgeschrieben ist, sollte man sich bereits darauf vorbereiten, dass diese Betrachtung in den kommenden Jahren zwingend notwendig wird. Frankreich macht es bereits vor, da dort die graue Energie bereits ab 2018 verbindlich in die Berechnung mit einfließen muss.

Ein Planungsbüro, welches also auch in Zukunft der Konkurrenz voraus sein möchte, sollte sich schon heute mit der Betrachtung der grauen Energie vertraut machen.

Der CAALA Plugin ist das Standardwerkzeug für die Berechnung von grauer Energie und das bereits in den frühen Leistungsphasen: Hier herunterladen.

 

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